BORG Mistelbach

Demokratie zum Anfassen: Schülerinnen und Schüler des BORG tagen im Europäischen Parlament 

Vom 21. bis zum 24. Juni 2026 haben fünf motivierte Jugendliche aus den 6. und 7. Klassen des BORG Mistelbach – angeleitet von ihrer Französischlehrerin Frau Prof. Fastabend – an der 8. Ausgabe des „Parlementeuropéen des lycéens“ (PEL) in Straßburg teilgenommen. 

Nach zehn Monaten intensiver Vorbereitung auf dieses Planspiel, in dem die Schülerinnen und Schüler in die Rolle von Parlamentariern und von Ministerinnen und Ministern im Rat der EU schlüpfen, ging es auf die zehnstündige Anreise mit dem Bus – gemeinsam mit Schüler:innen und zwei Lehrer:innen unserer Projektpartnerschule, der Deutsch-Slowakischen Begegnungsschule aus Bratislava. 

Am PEL 2026 nahmen über 520 Schülerinnen und Schüler von 35 Schulen aus ganz Europa teil; insgesamt waren unter ihnen 54 verschiedene Nationalitäten vertreten. Schon am Ankunftsabend gab es die ersten herzlichen Hallos mit Jugendlichen anderer Schulen, deren Bekanntschaft man während der Vorbereitungszeit in vielen Online-Teamsitzungen bereits gemacht hatte – und die nun endlich von Angesicht zu Angesicht weitergingen. 

Im Mittelpunkt des Planspiels standen reale Gesetzesentwürfe der EU-Kommission, zu denen die Jugendlichen in ihren Fraktionen und Ausschüssen Änderungsanträge erarbeiteten und schließlich in Debatten verteidigten. So ging es etwa um einen europäischen Rahmen für Neurotechnologien und Gehirn-Computer-Schnittstellen, der „neuronale Daten“ und die mentale Privatsphäre der Menschen schützen soll. Ein anderer Ausschuss feilte an einer Strategie zur Wasserresilienz, die die Mitgliedstaaten unter anderem dazu verpflichten würde, Wasserverluste in ihren Leitungen bis 2030 auf fünf Prozent zu senken. Und im Verteidigungsausschuss wurde über die strategische Autonomie Europas debattiert – samt der Idee, ein ständiges EU-Hauptquartier für Auslandseinsätze einzurichten, das ausgerechnet in Saarbrücken angesiedelt sein könnte. 

Welches Gewicht das Projekt hat, zeigte sich an den Grußworten zur Eröffnung – unter anderem von der Europaabgeordneten Fabienne Keller und hochrangigen Vertreterinnen und Vertretern des Europäischen Parlaments. Immer wieder klang dabei dieselbe Botschaft an: Demokratie lebt vom Zuhören und vom Mitmachen, und die Zukunft Europas liegt in den Händen der jungen Generation. 

„Zukunft passiert nicht einfach“ 

Besonders deutlich wurde Anke Rehlinger, Ministerpräsidentin des Saarlandes und Bevollmächtigte für die deutsch-französischen Kulturbeziehungen. Wie unser Europa in Zukunft aussehe, fragte sie, sei keine Selbstverständlichkeit: „Zukunft passiert nicht einfach.“ Demokratie bedeute, einander zuzuhören und andere Meinungen auszuhalten. Die Welt werde unübersichtlicher – Nationalismus, schwindende Liberalität, soziale Ungerechtigkeit, dazu Klima und die Zukunft der Wirtschaft. All das brauche Antworten, betonte sie an die Jugendlichen gerichtet: „eure Antworten“. 

Für das Saarland sei Europa dabei keine abstrakte Idee, sondern Alltag. Aus früheren Grenzen seien Verbindungen geworden, und die deutsch-französische Freundschaft zeige, was geschehe, wenn Menschen aufeinander zugehen und das Gemeinsame über das Trennende stellen. Ihr eindringlichster Satz galt dem Mitmachen: Europa funktioniere nur, wenn Menschen sich beteiligen – und wenn sie das Gefühl haben, selbst etwas bewegen zu können. 

Sprache baut Brücken 

Eine besonders persönliche Note brachte Juan Carlos Jiménez Marín, Generaldirektor für Logistik und Dolmetschen am Europäischen Parlament, ein. Verschiedene Sprachen und Kulturen kennenzulernen und Menschen unterschiedlicher Herkunft zusammenzubringen, habe sein eigenes Leben bereichert. Mehrsprachigkeit, so sein Kernargument, sei sogar Teil der demokratischen Legitimität der EU – denn alle haben das Recht, in ihrer eigenen Sprache zu sprechen und zu verstehen, was warum entschieden wird. 

Sprachen bauten Brücken, sie erforderten Dialog und Zusammenarbeit. Gerade Kriege und internationale Spannungen verlangten nicht weniger, sondern mehr Gespräch und die Bereitschaft, fremde Perspektiven zu verstehen – Zuhören und Dialog statt Spaltung. 

Was der Generaldirektor beschrieb, erlebten die fünf Jugendlichen ganz direkt selbst: Zwischen Englisch, Deutsch und Französisch wechselten sie ständig hin und her und trainierten so ganz nebenbei ihre Sprachenflexibilität. Und selbst diejenigen, die kein Französisch sprechen, wissen nach diesen Tagen, was „la canicule“, „il fait chaud“ und „j’ai soif“ bedeuten – Vokabeln, die bei den hochsommerlichen Temperaturen in Straßburg besonders gut zu gebrauchen waren. 

Eine Stimme für Europa 

Auch Jutta Schulze-Hollmen vom Europäischen Parlament richtete sich an die Jugendlichen: Die Anwesenden stünden für etwas – für Dialog, für Zukunft, für Demokratie. Sie sprach von Bewunderung und von Hoffnung, die Zukunft sei in guten Händen. Jede und jeder Einzelne sei hier eine Stimme für die Bürgerinnen und Bürger Europas. Ihr Programm für die kommenden Tage fasste sie in fünf Worten zusammen: zuhören, lernen, nachdenken, debattieren, entscheiden. 

Den Bogen zurück zum Projekt selbst schlug Heike Winzent, Präsidentin des saarländischen Landtags: Seit seiner Gründung 2019 bringe das PEL Schulen, Mitgliedstaaten und hunderte junge Menschen zusammen und entwickle ein echtes Verständnis dafür, wie europäische Gesetzgebung entsteht. Der Erfolg der EU werde heute von vielen Seiten angegriffen, mahnte sie – Meinungsfreiheit und transparente Politik seien jedoch durch die europäischen Verträge geschützt. Die Teilnehmenden seien Botschafterinnen und Botschafter der europäischen Idee. Und nebenbei, fügte sie hinzu, entstünden hier auch viele neue Freundschaften. 

Mehr als Politik 

Was neben der politischen Arbeit in Erinnerung bleibt: zwischen Plenarsitzungen, Änderungsanträgen und Verhandlungen entsteht in Straßburg etwas, das sich nicht in Statistiken fassen lässt: Jugendliche mit 54 verschiedenen Nationalitäten, die einander zuhören, debattieren und feststellen, wie viel sie verbindet. So ist durch dieses EU-Planspiel sicher auch bei unseren fünf Schülerinnen und Schülern der Funke der europäischen Demokratie übergesprungen. Sie haben Europa nicht als ferne Institution, sondern als gelebte Erfahrung kennengelernt.